“Das 21. Jahrhundert ist das Jahrhundert der Daten.” Diese Überzeugung vertrete ich bereits seit mehreren Jahren und sie wird Tag für Tag bestätigt. So genannte „Unicorns“ – Startups mit Milliardenbewertungen – wie Netflix, Airbnb, Tesla, Uber oder der französische Mitfahr-Riese BlaBlaCar sind nicht aufgrund technischer Innovationen groß geworden; vielmehr haben sie es verstanden, ihr Angebot zu vermarkten und vor allem Kundendaten zu generieren und nutzbringend zu verwerten. Dasselbe gilt für die sozialen Netzwerke à la LinkedIn: Sie profitieren von enormen Datenmengen von Hunderten von Millionen von Benutzern … und nun auch von Microsofts milliardenschweren finanziellen Möglichkeiten.

Im neuen Markt des Wissens werden offene Kooperation und Innovation die Norm sein

In der Welt von morgen müssen sämtliche Unternehmen, ganz gleich welcher Größe, lernen, ihre eigenen sowie die Daten ihrer Kunden, zu identifizieren, zu generieren und nutzbringend zu verwerten. Daraus wird ein neuer Markt des Wissens entstehen, in dem offene Kooperation und Innovation die Norm sein werden.

Diese Ausrichtung auf die Daten wird das Herzstück der Kundenbeziehung der Zukunft bilden. Für einen international führenden Anbieter digitaler Services wie Atos, einem Pionier auf dem Gebiet „Business-to-Business“, bedeutet dies vor allem die Optimierung der Produktionsmittel und -prozesse der Kunden, dazu zählt auch die vorausschauende Wartung, das Beispiel für die vierte industrielle Revolution. Dank der Milliarden von Datensätzen, die wir schon jetzt in den Fabriken von Siemens erfassen und verarbeiten, ermöglichen wir es unserem Geschäftspartner einerseits, sich in Echtzeit über den Betriebszustand der Maschinen zu informieren. Andererseits ist er in der Lage, Reparaturen und das erforderliche Auswechseln von Teilen zu antizipieren. Diese Ersatzteile wiederum können bei Bedarf direkt vor Ort mit Hilfe von 3D-Druckern produziert werden…

Darüber hinaus unterstützen wir unsere Kunden auf der „Business-to-Consumer“-Ebene dabei, sich einen umfassenden Einblick über das Verhalten und die Bedürfnisse ihrer Endkunden zu verschaffen. Schließlich werden diese immer anspruchsvoller, weshalb eine ständige und immer detailliertere Analyse etwa der Konsumgewohnheiten, der „Customer Journey“ oder der präzisen Zielgruppe unverzichtbar ist. Leisten kann dies nur Big Data. Im Gegenzug für diese Informationen können Unternehmen zunehmend innovativere, vernetzte Produkte anbieten, die wiederum einen enormen Datenfluss erzeugen.

Technische und philosophische Herausforderungen

Daraus zeichnen sich zwei große Herausforderungen ab. Die erste ist technischer Natur. Es geht erstens darum, die „Daten-Sintflut“ in den Griff zu bekommen. Denn über kurz oder lang werden wir mehr Daten zeitnah verarbeiten müssen als es Sandkörner auf der Welt gibt. Im Jahr 2020 werden wir die Schwelle von 40 Zettabyte erreichen, das sind 40 Trillionen Byte, also die Zahl 40, gefolgt von 21 Nullen. Die zweite Herausforderung ist gesellschaftlicher, wenn nicht sogar philosophischer Natur. Hier geht es darum, die Verbraucher in Bezug auf die Verwendung ihrer personenbezogenen Daten zu beruhigen. Teil dieses Themas ist das „Recht auf Vergessen“ in der digitalen Welt, ein aktuelles Thema, dem sich vor kurzem Studenten auf der ganzen Welt im Rahmen der Atos IT Challenge gewidmet haben. Ein Entwurf des europäischen Abkommens über den Schutz personenbezogener Daten, das Sanktionen von bis zu 4 Prozent des weltweiten Umsatzes eines Unternehmens vorsieht, ist der Beweis dafür, dass hier allmählich ein rechtlicher Rahmen entsteht.

Angesichts dieser beiden Herausforderungen, bieten wir eine eindeutige Antwort: Vertrauen. Dazu gehört das Vertrauen in unsere technologische Kapazität, Millionen über Milliarden von Milliarden an Daten pro Sekunde zu verarbeiten und zu nutzen – ganz nach dem Vorbild des Supercomputers Bull sequana, den wir vor Kurzem vorgestellt haben, der effizienteste Rechner der Welt. Ebenfalls gehört dazu das Vertrauen, das unsere Kunden – und über sie auch deren Endkunden – in uns haben, was die Verwaltung ihrer persönlichen Daten anbelangt. Es beruht auf der Cybersicherheit, die das Kernstück unserer Verpflichtungen darstellt, die wir im Rahmen unserer operativen Leistung eingegangen sind.

Vertrauen in die digitale Welt schaffen

Hinzu kommt schließlich das Vertrauen, das wir in die neue Ära setzen, an deren Schwelle wir stehen. Gemeint ist die Ära des Quantencomputers, an dem unsere Teams schon länger arbeiten. Bis 2030 wird diese Entwicklung eine völlig neue Welle von Erfindungen in sämtlichen Aspekten menschlicher Leistung auslösen. Er wird neue Arbeitsplätze und Werte schaffen, weit entfernt von früherer Stagnation, die von manchen prophezeit worden ist. Das 21. Jahrhundert wird wahrlich das Jahrhundert der Daten. Aber es ist auch das Jahrhundert, in dem es gilt, Vertrauen in die digitale Welt zu schaffen.

Thierry Breton