Das deutsch-französische Geschäft kennt kaum einer besser als Thierry Breton, der von 2005 bis 2007 französischer Wirtschafts- und Finanzminister war und heute den deutsch-französischen Informatikkonzern Atos mit 100.000 Mitarbeitern führt. Er empfing mich privat vor einem brennenden Kaminfeuer in seinem luxuriösen Einfamilienhaus. Breton kennen viele Franzosen noch, auch weil er ihnen 2005 als erster Politiker sagte, dass sie über ihre Verhältnisse lebten.

Damals senkte er die französische Staatsverschuldung auf 62 Prozent des BIP. Sie war damals deutlich niedriger als in Deutschland. Gleichzeitig drückte er das französische Staatsdefizit auf 2,5 Prozent des BIP und erfüllte damit die Maastricht-Kriterien, die Deutschland zur selben Zeit nicht schaffte. “Das ist gerade mal zehn Jahre her, jüngste Geschichte”, sagte er nun. Und wollte damit der deutschen Kritik vorauseilen, dass Frankreich seither ein unzuverlässiger Partner gewesen sei.

“Ich verstehe die Kritik meiner deutschen Freunde vollkommen, aber die Fakten sind: Macron ist der prodeutscheste Präsident seit Langem und zudem ein Staatsmann. Er macht die nötigen Reformen, baut Staatsschulden ab und respektiert die Europäischen Verträge”, sagte Breton. Der Atos-Chef versteht sich als neutraler Mittelsmann, will deutscher Kritik mit Fakten begegnen. Er rechnete deshalb vor, dass Frankreich, Italien, Spanien und Griechenland seit 1999 zwei Drittel der Verteidigungsausgaben der Euro-Zone getätigt hätten, Deutschland, Skandinavien und die Beneluxländer dagegen nur ein Drittel.

“Ich gebe bloß die Zahlen, ich will die einen nicht gegen die anderen ausspielen, jeder muss das Richtige für sich selbst erkennen”, riet Breton. Sein Tenor: Die Deutschen müssen endlich wieder erkennen, was sie an Frankreich haben. “Keine Eurobonds, keine Vergemeinschaftung der Schulden: einverstanden! Aber wir haben jetzt noch sehr niedrige Zinsen, die wir nutzen müssen, um gemeinsam in Europa zu investieren”, folgte auch der Konzernlenker seinem Präsidenten.

 

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