Emmanuel Macron,. der französische Staatspräsident, hat kürzlich auf die Möglichkeiten aufmerksam gemacht, wie Frankreich im Bereich der Künstliche Intelligenz eine weltweit führende Stellung einnehmen kann – und zwar auf der Grundlage der Arbeiten von Cédric Villani, die die Fragen behandeln, die die KI aufwirft.

 

Ich persönlich würde drei Forderungen in den Vordergrund stellen:

  1. die unabdingbare Kontrolle über unsere persönlichen und industriellen Daten
  2. die Fähigkeit, „lernende Systeme“ und neue Algorithmen zu entwickeln
  3. die notwendige Anpassung der akademischen und der IT-Infrastrukturen

Künstliche Intelligenz erfordert in ihrer Lernphase eine erhebliche Rechenleistung. Daher sind ohne europäische Supercomputer und ohne ganz spezielle Mikroprozessoren sind alle Diskussionen über unsere digitale Souveränität umsonst.

 

Europa bleibt ein fragmentierter Markt, und die Branche muss noch gebaut werden.

 

Hier in Frankreich haben wir die Kompetenzen und auch die Ausbildung. Aber wir müssen soviele Mittel mobilisieren, dass es nur eine europäische Antwort geben kann. Wer sind die großen Akteure der künstlichen Intelligenz? Die Vereinigten Staaten, China und Japan. Die ersten beiden haben vor allem zwei wesentliche Vorteile: Sie sind einheitliche Datenmärkte, und sie haben die Kontrolle über ihre Rechenkapazitäten. Europa hingegen bleibt ein fragmentierter Markt, und die Branche muss noch aufgebaut werden.

Atos ist heute der einzige global Player, der Supercomputer in Europa baut, der Kontinent muss also sein Know-how im Bereich der Mikroprozessoren verstärken. Ob allein oder in Partnerschaft –wir dürfen diesen Zug auf keinen Fall verpassen.

Der europäische Markt ist der Maßstab für die Schaffung eines einheitlichen Datenmarkts.

 

Daten sind das Rohmaterial für die künstliche Intelligenz. Das ist eine kritische Ressource. In diesem Universum zählt die Menge. Der europäische Markt ist der Maßstab, um einen einheitlichen Markt, einen streng kontrollierten Raum des Vertrauens, zu schaffen. Die europäische Verordnung über den Schutz personenbezogener Daten (GDPR) geht in die richtige Richtung, aber wir müssen noch weiter gehen und verlangen, dass die europäischen Daten in Europa erfasst, verarbeitet und gelagert werden – in Übereinstimmung mit Regeln, die von Europa festgelegt werden.

 

Wir müssen den Informationsraum strukturieren.

 

 Mit anderen Worten: Der Informationsraum muss strukturiert sein, so wie in der Vergangenheit Land-, See- und Luftraum organisiert wurden. Google, Apple, Facebook und Amazon haben versucht, aus der digitalen Welt ein „Niemandsland“ zu machen, dessen Gesetze sie schreiben wollten. Aber damit ist es vorbei. Es ist an der Zeit, diesen Informationsraum zu verlagern, indem wir uns für eine Verarbeitung unserer Daten auf europäischem Boden entscheiden. Besonders wichtig ist dies für industrielle Daten, insbesondere bei der Entwicklung von Tools für die künstliche Intelligenz der Industrie 4.0, wie wir es bei Atos mit Siemens und der Mindsphere/Codex-Plattform tun. Es ist ein entscheidender Aspekt der Wettbewerbsfähigkeit.

 

Eine Logik der Partnerschaft mit den GAFA- Unternehmen

 

Dafür werden wir nicht alles neu erfinden, sondern die Territorialität der Daten wiederherstellen, indem wir eine Partnerschaft der Logik mit den GAFA eingehen, die bereit sind, sich an unsere Regeln zu halten. Durch Kooperationen können europäische Akteure der Filter des Vertrauens und des Zugangs zu unserem Markt, der „letzten Meile“ der digitalen Kette, sein. Wie auch immer die Modalitäten aussehen, es sind in jedem Fall die GAFA, die unsere Regeln befolgen müssen, nicht umgekehrt. Wir müssen sie zu einer neuen „Landung“ zwingen.

Und wir dürfen diese Unternehmen auch nicht überschätzen. Ihr Erfolg verdient Bewunderung, aber ihre Stärke ist im Wesentlichen das Ergebnis ihrer Größe. Viele digitale Innovationen erblicken das Licht der Welt in Europa oder stammen zumindest aus europäischen Gehirnen, vor allem in Frankreich. Und es ist heute unser Kontinent, der datenschutzrechtlich den Ton angibt.

 

Der Fall von Cambridge Analytica markiert einen Wendepunkt.

 

Daher möchte ich gerne auf die Kontroverse von Cambridge Analytica zurückkommen, mit der Facebook gegenwärtig konfrontiert ist. Diese Affäre ist ernst. Sie ist ein Wendepunkt. Sie hat den Vorzug, uns alle und vielleicht besonders unsere Kinder und Jugendlichen an einige Wahrheiten zu erinnern. Wenn wir einen Teil unseres Lebens sozialen Netzwerken ausliefern, kann diese Spur für immer unauslöschlich bleiben. Nichts und niemand gibt heute eine absolute Garantie, wenn es um den Zugriff auf unsere persönlichen Daten geht, die in diesen Netzwerken gespeichert sind.

Aus diesem Grund müssen wir uns für eine Aufbewahrung europäischer Daten auf europäischem Boden entscheiden, wo europäisches Recht anwendbar ist. Ich nehme auch zur Kenntnis, dass Google sich darauf vorbereitet, seine Praktiken weiterzuentwickeln, um die Empfehlungen der europäischen Verordnung auf globale Ebene auszudehnen, im Gegensatz zu Facebook, das offenbar beim absoluten Minimum bleiben möchte. Die Konsumenten werden das zu schätzen wissen.

 

Jeder besitzt – und ist verantwortlich für – seine eigenen Datenspuren.

 

Weil letztlich das Eigentum an den Daten dem Individuum zusteht.Fragen Sie ein Unternehmen, was es davon hält, und es wird positiv reagieren. In jedem Fall ist Aufklärungsarbeit zu leisten, damit sich jede/r bewusst ist, dass seine/ihre Datenspur ihm/ihr gehört und dass er/sie dafür verantwortlich ist.