Welche Organisation – egal ob Unternehmen, Forschungszentrum, Universität, Körperschaft oder Behörde – kann es sich leisten, 90 Prozent ihrer Ressourcen zu verschwenden? Man muss kein Wirtschaftsminister sein, um auf die Antwort zu kommen: keine einzige. Dennoch werden rund 90 Prozent der Daten bei der Datenverarbeitung nicht genutzt, obwohl sie über ein unglaubliches Wertschöpfungspotenzial verfügen.eur.

Von A wie Automobilindustrie über M wie Medizin bis Z wie Zahlungsverkehr – Daten sind allgegenwärtig

Plattformen wie Uber und Airbnb, die stellvertretend den Zeitgeist verkörpern, wurden erst durch die Auswertung großer Datenmengen möglich. Die neue Beliebtheit von „Big Data“ führt aber auch dazu, dass herkömmliche Berufe sich nach und nach neu erfinden müssen. In der Automobilindustrie redet man nur noch von selbstfahrenden Autos, in der Medizin wird durch ultraindividuelle Moleküle die Behandlung auf jeden Patienten individuell zugeschnitten und die Meteorologen von morgen können Nebelfelder in Flughafennähe vorhersagen.

Dennoch hat die Big Data-Revolution noch keine wirklichen Früchte getragen. In den meisten Unternehmen sind die Strukturen sind noch nicht soweit ausgereift, um einen Datenanalysten oder Chief Digital Officer mit der Datenaufbereitung und -auswertung zu beschäftigen. Ein weiteres Hindernis ist die erforderliche Rechenleistung zur Auswertung der Datenmenge, die wir im Alltag generieren.

Mehr Daten als Sand am Meer

Das exponentielle Datenwachstum wird unter anderem von Smart-Geräten erzeugt, deren Zahl weiter rasant wachsen wird: Bis 2020 soll die magische Schwelle von weltweit 50 Milliarden miteinander verbundenen Geräte überschritten sein. Dann werden pro Jahr 40 Zettabytes verwertbare Daten generiert (das sind vierzig mal 10 hoch 21 Bytes – mehr als alle Sandkörner auf der Erde).

Diese Sandkörner müssen nicht nur gezählt,isoliert und identifiziert werden, sondern sie müssen auch jederzeit miteinander in Beziehung gebracht werden können. Für diese gewaltige Herausforderung brauchen wir außergewöhnliche Maschinen: Supercomputer, auch High Performance Computers (HPC) genannt.

Atos/Bull sequana: Eine Milliarde mal eine Milliarde Rechenoperationen pro Sekunde

Ein Supercomputer mit einer Rechenleistung von einem Petaflop (das heißt: 10 hoch fünfzehn Rechenoperationen pro Sekunde) entspricht 140 000 PCs. Der diese Woche von Atos herausgebrachte Bull sequana, der momentan im französischen Kommissariat für Atomenergie und alternative Energien (CEA) installiert wird, kann bis 2020 sogar eine Rechenleistung  von einem Exaflop –  das sind eine Milliarde mal eine Milliarde Rechenoperationen pro Sekunde –erreichen. Das entspricht der Leistung von 20 Millionen PCs.

Allerdings reicht es nicht, die Leistungsfähigkeit vzu vervielfachen, auch der Energieverbrauch muss angegangen werden. Aktuell verschlingt der Rechner nämlich 400 Megawatt, was dem Energieverbrauch einer Stadt mit 60.000 Einwohnern bzw. der Leistung eines Blocks in einem Atomkraftwerk entspricht.

Kommt demnächst ein Supercomputer im Taschenformat?

Atos ist es nun gelungen, den Energieverbrauch auf ein Zwanzigstel und das physische Volumen auf ein Zehntel zu senken und so den effizientesten Supercomputer der Welt zu konstruieren. Was früher ein ganzes Stockwerk an Platz benötigt hätte, passt heute in einen Schrank. Als ich dem französischen Wirtschaftsminister Emmanuel Macron unseren Supercomputer vorstellte, wollten sich ein paar der anwesenden Fotografen die Gelegenheit nicht entgehen lassen, ihn für das Foto im Innern der Maschine posieren zu lassen.

Die Miniaturisierung ist bei einem Gerät, das heute mehrere Tonnen wiegt, eine der Herausforderungen, die es zu bewältigen gilt. Sie wird nicht von heute auf morgen stattfinden können. Wir dürfen jedoch nicht vergessen, dass das Smartphone in unserer Hosentasche leistungsfähiger ist als der Computer, mit dem der erste Mensch auf den Mond geschickt wurde. In der Vergangenheit waren die Grenzen der klassischen Physik das Hindernis auf dem Weg zum Mooreschen Gesetz, aber bei Atos arbeiten wir bereits am Quantencomputer für die Post-2030 Ära.